Die Geschichte

Das Versuchskantinchen – die Geschichte

Es war einer dieser verdammten schönwetter Quarantänetage, an denen die Ausgangsperre stärker an unserer Willenskraft zerrte als sonst. Ein erfrischender Nachmittag im Schwimmbad wäre jetzt genau das richtige. Vor allem für unsern Geistesblitz Thorsten. Der saß allein in seinem Büro und zermarterte sich das Gehirn. Die Rauchwolken seiner heißlaufenden Gedankengänge zogen in dichten Schwaden hinüber zu uns. Hier war die Stimmung im Keller.

Eine Eventagentur, die auf Großveranstaltungen spezialisiert ist, hat momentan nicht viel zu tun. Unsere Kunden sitzen im Homeoffice und durchleben genau das Gegenteil von dem, was wir auf unseren Veranstaltungen bieten: Isolation. Das einzige, was die drückende Stille durchbrach, war das leise Plätschern unsere Zimmerbrunnens und ein regelmäßiges Plopp.


„Normalerweise könnten wir uns jetzt um die Foodtrucks kümmern…“, verträumt warf Alex das nächste Papierkügelchen in hohem Bogen in Hollis Mülleimer. Plopp – Volltreffer.
„Du denkst auch nur an Essen.“ Kopfschüttelnd widmete sich Holger wieder seinem Computer. Gerade für unliebsame Aufgaben gab es gerade viel Zeit.
„Hey! Essen ist wichtig. Ein Lichtblick in diesen komischen Weltgeschehnissen.“ Zack, die nächste Kugel verfehlte den Eimer. 
„Das wären dann 43 zu 38. Deine Trefferquote lässt nach.“ 
Schulterzucken setzte sich Alex aufrecht hin. „Versuch du‘s doch mal bei diesem Dunst.“ 
Holger verzog das Gesicht: „Das kommt davon, wenn Menschen arbeiten. Könntest Du ja auch mal versuchen.“ 
„Tzz.“
Gereizt funkelten sich die beiden durch die Rauchschwaden an. Soweit dies ging, denn so langsam sah man in diesem Zimmer seine Hand vor den Augen nicht mehr. 
Eine schöne Metapher für unsere aktuelle Situation. Schließlich wussten wir – wie viele andere – gerade nicht, wie genau es für uns die nächsten Monate weitergehen würde. 


Moment, man sah die Hand vor den Augen nicht mehr? 
Wie vom Blitz getroffen zuckten die zwei Streithähne hoch und sahen sich an. 
„Feuer?“, fraget Alex. 
Holli schüttelte den Kopf und begann zu grinste: „Der Thorsten ist durchgebrannt.“ 
„Ah red keinen Quatsch.“ 
Doch vorsichtshalber stürzten wir trotzdem in sein Zimmer. Unser Zielobjekt sah verwirrt hoch, als die Tür gegen die Wand knallte und er von hochroten Köpfen fragend angesehen wurde. Begleitend mit uns rollte ein dunkle Wolke mit ins Zimmer.
„Alter, raucht ihr im Büro? Das geht gar nicht.“ Mit krausgezogener Nase versuchte Thorsten den Mief zu verwedeln. 
„Ne. Wir dachte Du bist das?“ 
„Ich?“ 
Wir sahen uns an. „Wo ist eigentlich Luke?“ 
Eilig machten wir kehrt und rissen die Tür zu unserem Gemeinschaftsraumes auf. Hier roch es eindeutig verbrannt. 
Luke stand schimpfend in der Mitte des Raumes. 
„Was machst Du da?“ 
„Ich koche Lagerkoller“, Sarkasmus trifte von Lukes Lippen. 
Seufzend sah uns Thorsten der Reihe nach an: „Okay Jungs, hier muss sich etwas ändern.“
Nachdem alle Fenster offen und die Gemüter abgekühlt waren, saßen wir zusammen und hielten Kriegsrat. 
„Was würdet ihr jetzt am liebsten tun?“, fragte Thorsten in die Runde. 
„Die Foodtrucks organisieren“, sagte Alex, begleitet von einem lauten Magenknurren. 
Amüsiert lachte Luke: „Kochen.“ 
Holger zog nachdenklich die Stirn in Falten: „Die Frage ist doch, was können wir gerade tun. Wie können wir unseren Kunden helfen. Was brauchen sie gerade?“ 
„Essen“, Alex grinste. 
„Und wie hilft das den Firmen?“ 
„Naja, jeder muss essen. Wir helfen ihnen, indem wir das organisieren? Zum Beispiel, indem wir den Mitarbeiter Essen liefern. Das schafft Wertschätzung, entlastet und hebt die Stimmung“, Thorstens Gedankenmaschine funktionierte langsam wieder. 
„Das ist aber echt schwierig zu organisieren. Die meisten Foodtrucks haben doch feste Standorte und einen strukturierte Terminkalender“, gab Luke zu bedenken. 
Thorstens Gesicht begann zu strahlen: „Wir organisieren unseren eigenen!“ 
„Genial. Mit regionalen Produkten, um die Unternehmen hier zu unterstützen.“ Luke war vor Begeisterung aufgesprungen. 
Auch Alex und Holli beugten sich mitgerissen nach vorne. 
„Mit saisonalen Lebensmitteln.“ 
„Und immer frisch zubereitet. Bei all den Fertiggerichten ist das wichtig für die Gesundheit.“ Thorsten nickte zustimmend: „Das machen wir: Regional- Saisonal-Phänomenal.“

So oder so ähnlich entstand unser Versuchskantinchen.

Was anderes kann man aus dem Evnt-Lab erwarten?